Die Kindheit

Teenager

Twen

Dreißiger

Vierziger

Das Alter naht

Nun begann sie also richtig – Die Zeit als Erwachsener. Die ersten Wochen und Monate der Lehrausbildung waren schlimm. Jedoch nicht wegen eines schon wieder neuen Kollektivs, in das ich hinkam, sondern wegen der Umstellung auf einen völlig anderen Lebensabschnitt. Das Wort “Team” kannte ich damals nicht und kann es auch heutzutage – wie alles Englisch-Denglische in der deutschen Sprache – nicht leiden). Wir waren alle in der Lehrgruppe untereinander fremd und das machte es mir dieses mal leichter, Kontakt zu finden. Meine Introvertiertheit legte ich deshalb nicht ab.
Obwohl ich diese Ausbildung “wählen” mußte und davon überhaupt nicht begeistert war, blieb ich meinem Charakter und meinem Sternbild treu und bemühte mich, perfekte Ergebnisse zu erzielen. Und das eben gelang mir in der ersten Zeit überhaupt nicht. Die theoretische Ausbildung in der Berufsschule des VEB Bergmann-Borsig war unproblematisch und stellte mich vor keine Probleme, so daß ich gute Ergebnisse erzielte. Ich erinnere mich noch gut an unseren Lehrer Herrn Liefeldt und seinen Spruch, wenn er einen Spaß machte: “Kleiner Scherz am Rande der Problematik“. Aber die praktische Ausbildung. Wir hatten zwei Ausbilder: Einen Ur-Berliner, dessen Name ich vergessen habe und einen Thüringer (was man auch hörte), Herrn Ludewig. Beide stellten hohe Anforderungen, waren aber Menschen geblieben. Und sie erkannten auch, was mein Problem war, nämlich der zu große Drang, zu schnell zu sehr guten Ergebnissen zu gelangen. Mit ihrer Hilfe gelang es mir letztendlich, meine Ergebnisse zu verbessern und am Ende des 1. Lehrjahres war ich Bester der Gruppe. Und obwohl das so war, kam ich mit allen aus meiner Gruppe gut oder sogar sehr gut aus.
Im 2. Lehrjahr hatten wir nur noch die theoretische Ausbildung in der Berufsschule. Es waren – in meiner Erinnerung – zwei Tage in der Woche. Die anderen drei Tage arbeiteten wir auf einer Baustelle und waren einer Brigade zugewiesen. In den ersten Wochen mußte ich in Lichtenberg arbeiten und es war grauenvoll. Ein Teil der Arbeiter war derart verroht, wie ich es mir nie hatte vorgestellt. Zum Schweißen kam ich gar nicht. Hilfsarbeiten und Kaffee kochen waren meine Tätigkeiten. Als Stift war man nur eine Ware und wurde immer wieder beschimpft. Zum Glück viel mir eines Tages eine Gasflasche auf die rechte Hand und ich brach mir gleich doppelt den Zeigefinger. Als ich wieder gesund war, wurde ich einer Brigade im Tanklager des Flughafen Schönefeld zugeteilt. In Lichtenberg waren meine “Dienste” nicht mehr von Nöten. Das Gelände in Schönefeld war zu DDR-Zeiten militärisches Sperrgebiet und die erste Zeit mußte mich ein Kollege am Werkstor in Empfang nehmen. Die Brigade bestand aus vier Leuten und war klasse. Leider habe ich nur noch zwei Namen im Gedächtnis: Burkhard und Karlchen. Burkhard war mein praktischer Betreuer, ein gutmütiger, ruhiger Kerl. Wir waren oft zusammen in den riesigen, unterirdischen Kerosintanks, um sie zu prüfen. Zu der Zeit lernte ich, den Geruch von Benzin und Diesel zu mögen. Dann gab es noch einen langen, schlanken Arbeiter und den Brigadier. Beide waren ebenfalls prima Menschen. Der Lange spielte keinen Skat und ich weiß noch, wie sich die anderen drei Skatbrüder freuten, endlich einen vierten Mann (mich) zu bekommen. Wir haben in den Pausen immer gespielt, aber immer achtete der Brigadier darauf, daß die Zeit eingehalten wurde. Nach Feierabend gingen wir manchmal noch in die kleine Kneipe direkt vor dem Tor des Betriebsgeländes und spielten auch dort.

der Lehrlinge im April 1985
Wie es letztendlich zu dem ganz “großen” Ereignis, kurz vor dem Abschluß meiner Lehrzeit kam, weiß ich heutzutage nicht mehr genau. Jedenfalls fuhr ich Mitte April zum “Bestenvergleich der Lehrlinge” des VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau Berlin. Demzufolge mußte ich mich zuvor im internen Wettbewerb des VEB Industrierohrleitungsmontagen Berlin als Bester qualifiziert haben (ich habe das vergessen). Der Wettbewerb dauerte 2 Tage. Den theoretischen Teil absolvierte ich mich sehr guten Ergebnissen. Bei der praktischen Prüfung war mir vor Aufregung jedoch so schlecht, daß ich zwar das Zeitlimit zur Fertigung des mir vorgegebenen Bauelements einhielt, aber ein zweites Mal ansetzen mußte. Daher reichte es am Ende nur für den undankbaren 4. Platz und deshalb weist meine Urkunde auch keine Plazierung auf. Neben dieser Urkunde und einer Sachprämie erhielt ich aufgrund der Ergebnisse in der theoretischen Prüfung auch die Medaille “Für hervorragende Leistungen im sozialistischen Berufswettbewerb”. Das Wichtigste daran waren die 150 Mark, die damit verbunden waren. Aufgrund meiner Plazierung im Wettbewerb lernte ich am 03.06.1985, sechs Wochen vor dem offiziellen Ende des Lehrjahres, aus und erhielt, obwohl das eigentlich nicht möglich war, die mit 150 Mark dotierte Auszeichnung ein zweites Mal.

Das schönste am vorzeitigen Auslernen waren die Wochen danach. Ich wohnte ja noch zu Hause und meine Mutter besaß schon ihren Trabant 601 mit türkisfarbenem Dach. Und so unternahmen wir im Trabant eine längere Rundreise durch die DDR. Dafür hatte ich einen kleinen Plan entworfen.
Es waren schöne Wochen. Ich weiß noch, wie sich der kleine Trabant im Gebirge gequält hat, weil die Steigungen teilweise sehr groß waren. Einige wenige Eindrücke der Reise sehen Sie hier.
Wir übernachteten sogar im Trabant und unterwegs füllten wir überall dort, wo es ging, Wasser auf. Auf Rügen vergaßen wir eines Morgens unsere Schuhe unterm Auto. Der Förster hatte uns wohl beobachtet und machte uns ganz freundlich darauf aufmerksam. Heutzutage wird man schon angeblafft, wenn man dreieinhalb Blätter vom Baum pflückt.
Der erlernte Beruf war bekanntermaßen nicht mein Traumberuf und so besaß ich auch 1985 nicht die erhoffte Hochschulreife, um damit meinen noch größeren Traum vom Studium an der Bergakademie in Freiberg zu verwirklichen. Ewig auf einer Baustelle wollte ich aber auch nicht arbeiten. Daher erklärte ich mich bereit, ab dem 5. November 1985 eine freiwillige dreijährige Wehrdienstzeit als Unteroffizier auf Zeit zu absolvieren, denn damit war die Zusicherung verbunden, anschließend an der Ingenieurschule für Anlagenbau in Glauchau studieren zu können. Ich wurde praktisch vom Betrieb dorthin delegiert. Das hätte mir dann wenigstens die Gewißheit gebracht, in Zukunft als Ingenieur arbeiten zu können. Auf die Akademie hätte ich es damit aber auch nicht geschafft. Was dann die Wirklichkeit brachte, können Sie im Kapitel “Die goldenen Zwanziger” lesen.

Der 5. November A.D. 1985 war ein schrecklicher Tag. In aller Herrgottsfrühe mußten wir uns am Wehrkreiskommando in Strausberg einfinden. Dort hielten wir uns stundenlang auf, ehe es dann zum Bahnhof ging und wir mit Güterzügen Richtung Bad Düben fuhren, wo sich die Unteroffiziersschule “Harry Kuhn” des LSK/LV der NVA befand. Ich gehörte also zu den Luftstreitkräften. Wir mußten x-mal umsteigen und kamen im Dunkeln nach einem Fußmarsch und bei strömendem Regen im A-Objekt an. Dort ließ man uns dann auch noch wortwörtlich im Regen stehen, ehe wir dann nachts auf die Quartiere verteilt wurden. Am nächsten Tag ging es trotzdem schon 5 Uhr 30 weiter. Die Vereidigung fand an einem Wochenende statt, das Datum selbst ist mir entfallen. Wir durften danach noch einige Stunden mit unseren Angehörigen verbringen und meine Mutter und ich sind dann im Trabant in Richtung Wald gefahren. Meine liebe Oma war auch dabei, ist aber auf keinem einzigen Foto zu sehen.


Die Ausbildung dauerte ein halbes Jahr und ich wurde Funkorter an einer P18, eine Funkmeßstation zur Überwachung des Luftverkehrs.
In den letzten Jahren in der Schule und später in der Lehre war ich nie eine Sportskanone. Mehr als eine 3 war nie drin, doch die 4 gab es auch einige Male. Ich weiß noch, daß wir in der POS Friedrich-Engels in Strausberg in der Peter-Göring-Straße regelmäßig 3000 Meter im Gelände laufen mußten. Unsere fette Klassenlehrerin Frau Joachim – Sie erinnern sich? Dieser verdankte ich die Beurteilung in der 9. Klasse. – stand dann immer am Rand und stoppte nach jeder 1000-Meter-Runde die Zeit. Weniger als 17 Minuten waren bei mir nie drin. In der Halle mußten die Jungs oft auch Klimmzüge am Reck absolvieren und zwar im Obergriff. Wenn es bei mir mehr als zwei waren, dann war ich schon in Bestform. Die Ausbildung in Bad Düben war sportlich gesehen ein wahrer Drill. Neben dem normalen Sport gehörten Märsche mit Gepäck im Gelände und die Sturmbahn zum Alltag. Am Ende der halbjährigen Grundausbildung war meine Bestzeit über die 3000 Meter 10 min 21 sec und die Maximalzahl an Klimmzügen betrug 21. Das Sportabzeichen erhielt ich in Gold und auch die Ausbildung zum Funkorter muß ich gut absolviert haben, denn sonst gäbe es nicht diese Foto.

Auf jeden Fall gingen auch diese sechs Monate vorüber und ich wurde am 21.04.1986 zum Unteroffizier befördert und in das mecklenburgische Nest Tramm versetzt, wo sich die FRA-132 des FRR-13 “Etkar Andre” befand. Damit neigte sich dann mein zweites Lebensjahrzehnt dem Ende zu.











